Freitag, 29. Februar 2008

101) Bärlauch und seine giftigen Freunde zum meteorologischen Frühlingsanfang

Heute ist der Meteorologische Frühlingsanfang - ein Grund zum Feiern!

Und passend dazu kommen auch die ersten Kräuter raus:
Bei uns im Rheinland naschen die Kinder bereits am Schnittlauch und ich habe wieder die erste Pimpernelle auf dem Brot :-) Übrigens, die Hauswurz, die Ihr mit beim Schnittlauch seht haben wir den Winter über bei Ohrenschmerzen genutzt. Ausgepreßt mit der Knoblauchpresse und ein wenig ins Ohr geträufelt hat sie bei uns geholfen. Aber keine Garantie dazu, wie geschrieben, uns hat es bei Ohrenentzündung geholfen. Vielleicht einfach mal beim Hausarzt nachfragen oder weiter recherchieren...

Auch der Bärlauch ist bald erntereif. Und dazu hat der Naturschutzbund.at jetzt eine lebenswichtige Pressemeldung raus gegeben:

Frühlingszeit - Bärlauchzeit
Allerorts reckt der Bärlauch seine Spitzen schon aus dem Boden und findet seinen Weg in unsere Küchen. Leider kommt es aber immer wieder zu Verwechslungen mit dem giftigen Maiglöckchen oder der Herbstzeitlose - letztere enden zu 90% tödlich. Deshalb gibt der NATURSCHUTZBUND Tipps, wie man den Bärlauch sicher erkennen kann.
Das beste Unterscheidungsmerkmal ist übrigens der Knoblauchgeruch. Aber Achtung: Jener der Blätter und nicht der der Finger!


Bärlauch, Maiglöckchen und Herbstzeitlose




1) Bärlauch (Allium ursinum L.)



Bilder:
- Bärlauchblätter, Autor: Alexander Mrkvicka
- Bärlauchblüten, Autor: Josef Limberger

Beschreibung: Bärlauch wächst gerne in Laubwäldern
Blätter sind länglich, lanzettlich, weich, lindgrün, sie haben einen Stiel, wachsen einzeln aus dem Boden und werden bis zu 45 cm hoch. Sie ähneln den Blättern des Maiglöckchens 2.
Der doldige Blütenstand hat fünf bis 20 weiße sternförmige Blüten.
Das Auffälligste an der Pflanze ist jedoch der Knoblauchgeruch, den auch schon die jungen Blätter besitzen. Durch zerreiben der Blätter tritt er stark hervor und kann so vor oft tödlichen Verwechslungen bewahren. Aber Achtung: Wenn die Hände bereits nach Knoblauch riechen, ist Vorsicht angesagt!

Blütezeit: Mai bis Juni

Verwendete Pflanzenteile: Blätter: März bis Mai (vor der Blüte)

Wirkstoffe: Der Bärlauch besitzt - ähnlich wie der Knoblauch - viele verschiedene Schwefelverbindungen im ätherischen Öl, Allicin, Vitamin C, Ätherisches Öl: Vinylsulfid, Merkaptan, Mineralsalze, Eisen, Schleim, Zucker

Sammelhinweis: Da der Bärlauch immer beliebter wird, sollte man beim Sammeln auch auf die Erhaltung der Pflanze achten. Generell sollte man nur dort sammeln, wo es erlaubt ist und sich große Bestände befinden. Zwei Drittel der Blätter jeder Pflanze sollten stehen bleiben, damit die Pflanze genug Kräfte sammeln kann, um die Zeit bis zum nächsten Frühjahr zu überstehen.



2) Maiglöckchen (Convallaria majalis L.)



Bilder:
- Maiglöckchenblätter, Autor: Alexander Mrkvicka
- Maiglöckchenblüten, Autor: NATURSCHUTZBUND-Archiv

Beschreibung:
Blattloser Blütenstängel. Meist zwei Grundblätter.
Form der Blätter sehr ähnlich dem Bärlauch, allerdings umschließen Maiglöckchenblätter die Sprossachse. Sie sind dunkelgrün und viel dicker und fester als jene des Bärlauchs. Maiglöckchenblätter sind langgestielt, werden 10 -20 cm hoch und sind an der Basis oft violettrötlich oder grün. Sie wachsen paarweise aus dem gleichen Stengel und umfassen diesen deutlich.

Blütezeit: Mai bis Juni

Früchte: August bis September

Giftige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze, besonders Blüten und Früchte

Giftstoffe und Wirkung: 38 herzwirksame Steroidglykoside enthalten die einzelnen Teile des Maiglöckchens. Der Wirkstoffgehalt der Blätter ist nach der Blüte am höchsten. Die Inhaltsstoffe sind teilweise wasserlöslich.

Symptome: Haut und Augenreizung, Reizung des Magen-Darm-Trakts, Harndrang, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckanstieg, danach -abfall bis zum Kollaps, verlangsamte Atmung, Herzstillstand.

Erste Hilfe: Haut- und Augenspülung, Aktivkohle, Erbrechen auslösen, Abführmittel, Beatmung, Herzmassage.



3) Herbstzeitlose (Colchicum autumnale L.)



Bilder:
- Blätter der Herbstzeitlose, Autor: Alexander Mrkvicka
- Blüten der Herbstzeitlose, Autor: Josef Limberger

Beschreibung:
Die Blätter sind fleischig, lanzettlich, werden 15 bis 20 cm hoch. Im unteren Bereich der Blätter sitzt versteckt die Frucht, eine 3-teilige Kapsel. Die Blätter umhüllen die Kapselfrucht, die Blüten stehen einzeln. Die Samen sind braunrot und kugelrund (ca. 2-3mm Durchmesser) mit einer nasenförmigen Ausstülpung.

Blütezeit: August bis November

Früchte: Mai bis Juni

Giftige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze. Wurzelknolle und Samenschale enthalten die größten Wirkstoffmengen.

Giftstoffe und Wirkung: Die Herbstzeitlose enthält etwa 20 verschiedene Alkaloide. Schon geringe Mengen wirken tödlich, die Sterblichkeit bei Vergiftungen liegt bei 90%!

Symptome: Übelkeit, Schock und Benommenheit, starker Harndrang, Krämpfe, Schweißausbrüche, kolikartige Magenschmerzen, blutiger Durchfall. Manchmal blaugefärbte Lippen. Stark erhöhter Puls. Tod durch Atemlähmung.

Erste Hilfe: Sofort erbrechen lassen. Aktivkohle und Natriumsulfat geben, warmen Tee oder Kaffee verabreichen. Schocklagerung.



Sobald die Blüten erscheinen ist die Verwechslungsgefahr gebannt:




Gegenüberstellung Bärlauch - Maiglöckchen - Herbstzeitlose

Geruch:

Bärlauch: Nach Knoblauch
Maiglöckchen: Kein Knoblauchgeruch
Herbstzeitlose: Kein Knoblauchgeruch

Blätter:
Bärlauch: Einzeln am Stängel, in Gruppen dicht beieinander. Das Blatt hat einen langen Stängel, der direkt aus dem Boden wächst
Maiglöckchen: Immer zwei Blätter am gleichen Stiel, die Blätter umfassen den Stängel
Herbstzeitlose: Mehrere Blätter an einem Stiel, die Blätter umfassen den Stängel

Blüte:

Bärlauch: Sammelblüte wächst in Hülle nach oben
Maiglöckchen: Mehrere kleine Blüten hängen vom Blütenstängel
Herbstzeitlose: Blüten erst im Herbst. Ansätze dazu im Frühjahr in der Mitte des Stängels

Quellen:

Alberts Andreas, Mullen Peter, Giftpflanzen in Natur und Garten.- 2003, Stuttgart, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH&Co.

Hecker Frank und Katrin, Naturkalender 2007.- 2006, Ulmer Verlag.

http://www.uni-graz.at/~katzer/germ/Alli_urs.html


http://www.heilkraeuter.de/lexikon/baerlauc.htm

http://www.museum-joanneum.steiermark.at/cms/dokumente/10125143_2995051/962d8a7d/Botanik%20NL%202004%2002.pdf

http://www.survival-forum.com/archive/index.php/t-83.html


Da hat Naturtipps nur noch ein einziges Übrigens:
Bärlauch gibt es mittlerweile auch saisonal auf Wochenmärkten, in Bioläden und zum Teil in Supermärkten!

Kommentare:

  1. Da fehlt doch einiges, oder? Ich fände es noch wichtig zu erwähnen, dass der Bärlauch an der Blattunterseite matt ist im Gegensatz zu seinen "Doppelgängern" und dass die Stielverlängerung auf der Blattrückseite deutlich hervorsteht.

    Außerdem fehlt eine Erwähnung der Verwechslungsgefahr mit dem Aronstab (wobei der bei genauem Hinschauen dem Bärlauch überhaupt nicht ähnelt, aber man weiß ja nie)...

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    1. Sehr guter Hinweis mit der Unterseite! Alle, bis auf eine Webseite, die ich bisher konsultiert habe hat dies erwähnt. Dabei ist dieses Merkmal am einfachsten zu erkennen.

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Hallo!
Danke, daß Du die Natur aktiv mitschützt!

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